Nichts funktioniert, weil „sorry, this is China“!

by admin on 4. Januar 2013



Immer und immer wieder höre ich es. Wann immer etwas nicht funktioniert, wann immer etwas nicht gemacht wird wie vereinbart und wann immer man auf’s Neue enttäuscht wird, es gibt stets eine Ausrede, mit der sich scheinbar alles begründen lässt. Die Rede ist von dem kurzen Statement „but this is China.“. Unzählige Male wurde auf diese Weise ein Missstand begründet. Auf der einen Seite liegt man gar nicht so falsch damit. In der westlichen Welt würde man mit vielen Verhaltensweisen, die hier an den Tag gelegt werden, einfach nicht durchkommen. Die genügsamen Chinesen allerdings akzeptieren scheinbar alles, solange sie nicht etwas tun müssen, wo sie „ihr Gesicht verlieren“.

Es fing an mit meiner Unterkunft. Mit preisenden Worten wurde mir dieses Drecksloch schmackhaft gemacht, bevor ich es sehen konnte. „Generous appartment“ wurde mir mitgeteilt. Tatsächlich würde eine derartige Behausung in Deutschland wahrscheinlich nicht einmal als „mittlerer Standard“ durchkommen. Dann die Art und Weise, wie sie mir helfen wollten. Die Arbeiter schienen nicht im geringsten daran interessiert, den Missstand zu beheben, geschweige denn einen Funken Extraarbeit investieren, um das ganze einigermaßen wohnlich zu bekommen. Stattdessen genossen sie es, auf meine Kosten fernzusehen, ohne Hemd auf dem Bett zu liegen und das Rauchverbot zu missachten.


Heute jedoch gab es eine weitere Situation, bei der ich nur noch die Hände über dem Kopf zusammen schlagen konnte. Seit November war mir mein letzter Projektarbeitgeber 50% des Gehalts schuldig; nicht nur mir, sondern auch meinen Kollegen. Die Federführung der Sache übernahm eine Dame, deren Name also auch als Vertragsnehmer auftauchte. Letztendlich bekamen wir das Geld also weder im November, wie es vertraglich vereinbart war, noch im Dezember. Anfang Januar hieß es, dass es jetzt überwiesen wird. Meine Kollegin rief mich an und erzählte mir mit froher Stimme, dass es eine gute Nachricht gäbe. Wir hätten endlich unser Geld bekommen.

Naja, es war sicherlich keine schlechte Nachricht. Vertraglich vereinbar war jedoch, dass eine Vertragsstrafe von mindestens 20% fällig wird, falls die Vertragsbedingungen von einem Vertragspartner nicht eingehalten werden. Dies war hier eindeutig der Fall. Die Zahlungsfrist wurde ferner nicht nur eine Woche überschritten, nicht einen Monat, sondern zog sich von November bis ins nächste Jahr hin! Bei meinem Hinweis darauf, dass die 20% Vertragsstrafe nach wie vor zu bezahlen seien, meinte meine Kollegin nur „well, but this is China“! So läuft es also leider in China. Dinge funktionieren nicht oder sehr spät und es gibt immer wieder die gleiche Begründung!

Meiner Meinung nach muss sich also in diesem Punkt noch eine Menge ändern, wenn das Reich der Mitte auch global wirklich ernst genommen werden möchte. Man kann sicher zurecht die Einstellung vertreten, dass man in diesem Land keine zu großen Erwartungen in Bezug auf die Erfüllung von Vereinbarungen haben sollte. Wenn allerdings immer gleich die Flinte ins Korn geworfen wird, da „dies eben so ist in China“, wird sich auch nicht viel entwickeln. Ich hoffe bloß in ein paar Jahren oder Jahrzehnten wird es auch hier in der Volksrepublik China etwas anders laufen.

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