Das Herumgedruckse – Volkssport in China

by admin on 5. Januar 2013

Eine weitere Lieblingsbeschäftigung der Chinesen ist das Herumdrucksen. Häufig bekommt man auf eine klare Frage keine klare Antwort. Vor dem Neinsagen scheint der Chinese regelrecht Angst zu haben. Dies zieht sich durch alle Teile der Bevölkerung. Während man es bei Kindern noch als ganz niedlich empfinden kann, wirkt es bei Studenten schon eher etwas befremdlich. Im Geschäftsbereich wird es dann gar störend. Man kann in China nach wie vor hervorragend gute Geschäfte machen, Kontakte knüpfen und interessante Jobs finden. Es funktioniert in der Volksrepublik jedoch alles ein bisschen anders als Daheim in Deutschland.


Meiner Ansicht nach schenkt man einem potentiellen Geschäftspartner in der westlichen Welt zunächst etwas Vertrauen, um Grundsätzliches zu klären. Wenn man einige gemeinsame Basis findet kann man im folgenden etwas vertraulichere Details besprechen. In China scheint es so vonstatten zu gehen, dass zunächst keine Seite der anderen wirklich etwas anvertrauen will und noch ganz gemächlich nähert man sich ein wenig dem gemeinsamen Ziel. So war es auch bei meinem letzten Treffen. Meine Vertrauensdame an meiner Hochschule hatte angekündigt, dass wir uns mit einem Herren treffen können, der mir ein Angebot zum Englisch lehren machen würde. Sie sprach von 200RMB pro Stunde für etwa 2,5 Stunden die Woche. Dies schien mir recht angenehm, zumal es zeitlich begrenzt sein sollte für ein paar Wochen während der Semesterferien.

Wir trafen uns also wie vereinbart auf unserem Campus. Bevor meine Kollegin kam, informierte mich der Herr sogleich, dass sie sich eigentlich auch vorstellen könnten, dass ich Fächer wie Mathematik, Physik und Sonstiges unterrichten könnte. Wir trafen uns mit meiner Kollegin, die den Kontakt hergestellt hatte, zunächst zum Mittagessen. Wie in China üblich übernahm der potentielle Arbeitgeber die Rechnung. Es gab eine riesige Schale Reis, einen Teller mit Hühnchen, der allerdings von kaum jemandem angerührt wurde, einen Teller mit Ei sowie einen weiteren Teller mit einem leicht säuerlichen Gemüse und etwas, dass der Karte nach Rindfleisch sein sollte. Ich aß hauptsächlich Reis und nahm ein paar Gemüsestückchen vom Hühnchenteller, damit dieser nicht zu trocken blieb. Wie in China üblich bekam jeder zusätzlich zu seinen Stäbchen eine kleines Schälchen, aus dem gegessen wurde. Knochen und Haut oder was sonst vom Hühnchen überbleiben sollte, wird einfach auf dem Tisch liegengelassen, zumindest in dieser Kategorie Restaurant.

Beim Essen fiel das Gespräch auf das Englischbuch welches benutzt werden sollte. Der Herr gab an, welches Buch verwendet werden sollte und das es gestellt würde. Ich fragte kurz nach, ob dies für andere Fächer ähnlich gelten würde, meine Kollegin unterbrach allerdings und meinte, lediglich Englisch sei von Interesse. Der Herr blieb stumm. Später fiel das Thema auf meine tatsächlichen Arbeitszeiten. Hier war es wieder einmal Zeit für ausgiebig Herumdrucksen. Das Gespräch ging weiter auf chinesisch.

Eine weitere Besonderheit fiel mir auf, dass in China grundsätzlich wannimmer es möglich ist, auch wenn Ausländer anwesend sind, so viel wie möglich auf chinesisch gesprochen wird, auch wenn alle Anwesenden Englisch können. Während in vielen westlichen Ländern meiner Erfahrung nach gerne auf Umgangssprache Englisch gewechselt wird, sowie jemand anwesend ist, der lediglich diese Sprache als kleinsten gemeinsamen Nenner besitzt, scheinen Chinesen wesentlich mehr dazu zu neigen, fast ausschließlich ihre Landessprache zu verwenden und dies nur zu unterbrechen, um mit dem Ausländer simple Basisfragen zu klären. Hier fährt man meiner Erfahrung nach recht gut damit, die Chinesen sich selbst zu überlassen und sich nicht zu sehr im Gespräch aufzudrängen. Man kann seine Zeit verbringen mit Essen, Smartphone benutzen, Zurücklächeln, interessiert Gucken und ab und doch einmal die ein oder andere direkt auf englisch gestellte Frage zu beantworten.


Nach dem Essen ging es zu der neuen Schule. Ich war recht beeindruckt, welches palastgleiche Bauwerk sich hinter dem von Wächtern beschützten Tor befand. Wir trafen eine Kontaktperson an diesem Ort, die mit zu uns in den Wagen stieg. Wir hatten leider nicht genug Zeit für eine Führung, da ich noch weitere Stunden unterrichten musste. Auch jetzt gab es noch keine Neuigkeiten bezüglich meiner Lehrzeiten. Später wurde mir dann mitgeteilt, dass der Direktor verhindert sei und daher diese Frage später geklärt werden müsse. Letztendlich wurde mir jedoch bereits das Buch überreicht und mir mitgeteilt, dass nach einem Gespräch zwischen den Beteiligten und dem Direktor in den nächsten Tagen feststehen würde, wann, wen und was ich unterrichten soll. Da bin ich mal gespannt 😉

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