Handwerker in China – die Maler

by admin on 14. Januar 2013

Als ich gegen Mitte Juli in meiner neuen Stadt im Süden Chinas ankam, wurde mir meine dortige Wohnung gezeigt. Bevor ich sie sah, stand ich der Wohnung noch recht positiv gegenüber, schließlich wurde sie mir kostenlos gestellt. Meine Meinung über diese Unterkunft sollte sich jedoch schlagartig ändern, als ich mich aus nächster Nähe mit ihr auseinandersetzen konnte. Unter den unzähligen Dingen, die zu beanstanden waren, waren auch die heruntergekommenen Türen. Mir wurde zugesagt, dass sich bestimmte Dinge verbessern lassen, allerdings benötigt es Zeit. Über ein halbes Jahr bin ich nun jedoch inzwischen in China und die Türen sind immer noch nicht alle gestrichen!


Zahlreiche Termine wurden mit verschiedenen Handwerkern vereinbart. Aus ebenso zahlreichen Gründen klappte meist irgendetwas nicht. Mehrere Male wurde behauptet, man hätte mich zum vereinbarten Termin nicht in der Wohnung angetroffen. Auf die Frage, weshalb sie dann nicht angerufen hätten, wurde herumgedruckst. Meine Ansprechpartnerin von der Uni half viele Male, nachzuhaken, damit etwas passiert, andernfalls wäre sicherlich noch weniger geschehen. Andere Handwerker kamen ein ums andere Mal unangekündigt am Samstag oder Sonntag vorbei, um irgendetwas zu machen, jedoch nicht immer etwas, dass den Zustand der Unterkunft verbesserte.

Der erste Maler war nocht relativ umgänglich. Er kam alleine und machte sich an die Arbeit, jedoch ohne dass irgendetwas abgedeckt wurde, sodass die Farbe munter an Wänden, Böden und im Treppenhaus verteilt wurde. Immerhin sah die Tür danach etwas besser aus als vorher. Während er sie strich, rief mich meine Uni-Ansprechpartnerin, um ein paar Dinge zu klären. Diese Chance nutzte der Mann mit dem Pinsel, um sich aus dem Staub zu machen. Ich blieb also zurück mit einer gestrichenen Tür und drei ungestrichenen.


Nach ein paar Meetings und Telefonaten war der nächste Termin vereinbart. Meine Ansprechpartnerin meinte, sie hätte eindeutig angegeben, welche Türen zu streichen seien, die Herren meinten jedoch sie gingen davon aus, dass eine Tür streichen ausreicht. Beim nächsten Mal kamen dann gleich zwei Maler auf einmal vorbei. Dieser Umstand bedeutet in der Volksrepublik China nicht unbedingt, dass sich auch die Arbeitsleistung erhöht. Häufig ist das Gegenteil der Fall. Die Männer mit dem Farbeimer betreten also mit rauchender Zigarette die Wohnung und fingen erstmal an, lauthals auf chinesisch zu plaudern und zu gestikulieren.

Während der „Arbeit“ (man hat den Eindruck sie wären Kinder auf einem Schulausflug) fahren sie fort rücksichtslos herumzuschreien, so dass das Arbeiten am Computer nebenbei kaum mehr möglich ist. Auch sonst zeigen sie natürlich keine Manieren, daran muss man sich in diesem Land gewöhnen. Abwechselnd wird gerotzt, Müll auf den Boden geschmissen, gerülpst, gepopelt und weitergeschrien. Wenn ihr Handy klingelt, lassen sie sich extra viel Zeit, das Gespräch anzunehmen. Sie drosseln jedoch ihr Arbeitstempo noch weiter, während die Akustik des Klingeltons, bei dem natürlich die Maximallautstärke eingestellt wurde, kraftvoll den Raum beschallt.

Ab und zu geht man auch mal ungefragt ins Badezimmer und pisst im Stehen. Türen schließen und Energie sparen ist auch nicht wirklich angesagt. Egal wie lange sie einen Raum verlassen, die Tür bleibt offen, das Licht wird angelassen! Das Prinzip der Mückengitter wollten sie wahrscheinlich auch nicht wirklich verstehen. Die Plagegeister kamen in Scharen, nachdem die Herren die Fenster geöffnet hatte, ohne das Mückengitter davorzuschieben. Ein ums andere Mal erledigte ich dies, nachdem sie das Fenster geöffnet hatten. Sie kamen jedoch nicht auf die Idee, dies beim nächsten Fenster selbst zu machen. Stattdessen wanderte lieber eine Zigarettenkippe nach der anderen neben die Farbkleckse auf den Boden.

Nach etwa drei Vierteln der erledigten Arbeiten gingen sie erst einmal einfach weg etwas essen. Eineinhalb Stunden später rechnete ich schon nicht mehr mit ihrer Rückkehr. Gegen 20h jedoch klopfte es an der Tür und zumindest eins der Pinselmännchen erschien wieder. Er begab sich ins Gästezimmer, wo er hinter verschlossener Tür irgendetwas tat. Vorher hatte er die Wohnungstür offen gelassen, nicht jedoch weil ihm sein Kollege folgte, sondern wahrscheinlich eher deshalb weil er kein großer Freund des Türenschließens ist.

Auf der einen Seite kann man einsehen, dass sie für ihr Tun regelrecht einen Hungerlohn erhalten. Einfache Arbeiter werden in China häufig mit nicht viel mehr als ein bisschen Essen und Unterkunft bezahlt. Ob es deshalb in Ordnung ist, sich gegenüber anderen derartig ungehobelt zu verhalten sei jedoch mal in den Raum gestellt. Ich warte weiter darauf, dass mit vielleicht irgendwann mal neu gestrichenen Türen die Wohnung sich etwas weiter einem einigermaßen akzeptablen Zustand nähert. Warten wir’s mal ab. In einem halben Jahr bin ich jedoch hoffentlich nicht mehr hier…

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