Überraschungen gehören zum Alltag – gute und schlechte

by admin on 29. Oktober 2012

Wer als Dozent in China tätig wird, mag unfreiwillig das Gefühl bekommen, ein Objekt von willkürlich gefällten Entscheidungen zu werden. Diese Entscheidungen haben üblicherweise keine drastischen Auswirkungen, können allerdings immer und immer wieder zu ungeplanten Szenarios führen. Wer also gerne genau im Vorfeld plant, mag in der Volksrepublik China erleben, dass die Planung gut gewesen sein mag, die Realität häufig jedoch anders aussieht.

Zu den positiven Überraschungen, die ich hier erleben konnte, gehörte beispielsweise der Campus-Card-Bonus. Ich habe ich bis jetzt noch nicht erhalten, allerdings wurde mir von Kollegen geschildert wie das ganze abläuft. Prinzipiell tauchen irgendwann plötzlich 100RMB für jeden Monat auf, den man gearbeitet hat. Bei einem Preis von für 5 bis 10 Yuan entspricht dies locker dem Äquivalent von 10 bis 20 Mahlzeiten, die jeden Monat ungefragt freiwillig zusätzlich durch die Uni gedeckt werden. Keine schlechte Geste! Darüber hinaus gibt es ein kleines Schwimmbad auf dem Campus. Für Studenten kostet es wohl etwa 4CNY, wie ich mir habe sagen lassen. Als Dozent ist der Besuch jedoch kostenlos, so oft man will! Weiterhin gab es – trotz Nachfrage – in meinem Vertrag keine Klausel bezüglich ein paar kostenlosen Chinesischstunden. Sehr viele Schulen bieten dies an, meine jedoch nicht. Trotzdem wurde mir nach wenigen Wochen ein Kontakt vermittelt, ein Student, der „Chinesisch als Fremdsprachen lehren“ studiert. Er war sehr freundlich und gern bereit, mir unentgeltlich weiterzuhelfen. Darüber hinaus sprach er – laut Aussage meines chinesischen Kontaktes – sauberes Mandarin, etwas, dass hier im Süden Chinas nicht unbedingt als Standard zu erwarten ist. Ich freue mich bereits auf unser nächstes Zusammentreffen.

Die zahlreichen negativen Überraschungen sollen an dieser Stelle nicht ausgiebig diskutiert werden. Es sei nur kurz erwähnt, dass man sich von seiner eventuell vorhandenen deutschen Erwartungshaltung rechtzeitig verabschieden sollte. Häufig haben etwaige Entscheidungen tatsächlich einer gewissen Grad an Wohlwollen als Ursache, auch wenn es nicht immer gleich so aussieht. Wer mit unerwarteten Änderungen flexibel umgehen kann ist in China definitiv im Vorteil. Manchmal hilft es auch, dass man seine Ambitionen etwas zügelt. Es wird nicht möglich sein, die Kultur eines Landes mit über einer Milliarde Menschen über Nacht zu modernisieren.

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